Inhaltsverzeichnis
- 01. Wie wirkt die Pille auf deinen Zyklus?
- 02. Die verschiedenen Pillen-Arten
- 03. Warum reguliert die Pille das PCOS nicht?
- 04. Welche Auswirkungen hat die Pille auf das PCOS?
- 05. Vor- und Nachteile der Pille je nach PCOS-Phänotyp
- 06. Welche Pille eignet sich bei PCOS?
- 07. Wie wähle ich die richtige Pille aus?
- 08. PCOS, Pille und mentale Gesundheit
Wenn du vom PCOS (Polyzystisches Ovarsyndrom) betroffen bist, erinnerst du dich wahrscheinlich noch genau an den Tag deiner Diagnose – diese Mischung aus Erleichterung und Ungewissheit über die Zukunft. An diesem Tag hat dir deine Gynäkologin oder dein Gynäkologe sicherlich empfohlen, die Pille zu nehmen. Vielleicht bist du diesem Rat gefolgt, oder du warst skeptisch und hast abgelehnt.
In diesem Artikel erklären wir dir alles, was du über die Pille wissen musst, wenn du vom PCOS betroffen bist.
Wie wirkt die Pille auf deinen Zyklus?
Die Pille ist ein Verhütungsmittel, das eine Schwangerschaft verhindert. In der Regel wird sie täglich über 21 Tage eingenommen, gefolgt von einer 7-tägigen Pause oder der Einnahme von wirkstofffreien Tabletten (Placebos). Während dieser 7 Tage treten Abbruchblutungen auf – auch als „Scheinmenstruation" bezeichnet. Da nicht dein natürlicher Zyklus, sondern der Abfall der synthetischen Hormone diese Blutung auslöst, handelt es sich nicht um eine echte Periode.
Die meisten Pillen enthalten synthetisches Östrogen und Gestagen – daher der Begriff Kombinationspille. Diese künstlichen Hormone sind 20- bis 50-mal höher dosiert als deine natürlichen Hormone. Diese hohe Dosierung führt zu einer Art chemischen Blockade, die deine Eierstöcke vorübergehend „stilllegt" und so den Eisprung verhindert. Die synthetischen Hormone ersetzen quasi deine natürlichen Hormone und unterdrücken deinen Menstruationszyklus. Außerdem wirkt die Pille auf dein Gehirn und unterbricht die Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken – diese stehen normalerweise in ständigem Austausch, um die Hormonausschüttung je nach Zyklusphase anzupassen.
Darüber hinaus verändert die Pille deinen Zervixschleim (Ausfluss): Er wird zäher oder weniger, was das Eindringen von Spermien erschwert. Auch deine Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ist unter der Pille dünner, um die Einnistung einer befruchteten Eizelle zu verhindern. Das erklärt auch, warum Blutungen unter der Pille meist schwächer ausfallen.

Die verschiedenen Pillen-Arten
Vielleicht hast du im Laufe der Jahre schon verschiedene Pillen ausprobiert, um die passende zu finden. Mikropille, Kombinationspille, dreiphasig, 2. oder 3. Generation – da verliert man schnell den Überblick. Hier ist eine Übersicht!
Kombinationspille oder reine Gestagen-Pille?
Es gibt zwei große Pillen-Familien:
Kombinationspillen (Östrogen-Gestagen-Präparate): Sie enthalten ein synthetisches Östrogen und ein synthetisches Gestagen (künstliches Progesteron). Da sie zwei Wirkstoffe kombinieren, heißen sie „Kombinationspillen".
Reine Gestagen-Pillen (Minipillen): Diese enthalten ausschließlich ein Gestagen – also nur einen einzigen Wirkstoff.
Einphasig, zweiphasig, dreiphasig oder vierphasig?
Diese Unterscheidung betrifft nur die Kombinationspillen. Der Unterschied liegt in der Hormondosierung innerhalb einer Packung:
- Einphasig: Alle Tabletten haben die gleiche Dosierung.
- Zweiphasig: Zwei verschiedene Dosierungen.
- Dreiphasig: Drei verschiedene Dosierungen.
- Vierphasig: Vier verschiedene Dosierungen.
Kleiner Tipp: Schau dir die Farbe deiner Tabletten an. Haben alle die gleiche Farbe, ist deine Pille einphasig. Siehst du zwei Farben, ist sie zweiphasig – und so weiter.
Mehr- und dreiphasige Pillen wurden in den 1980er Jahren entwickelt, um Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen zu reduzieren. Studien konnten jedoch bisher keinen eindeutigen Vorteil gegenüber einphasigen Präparaten belegen.
Die Pillengenerationen
Die Generation einer Pille wird durch den verwendeten Gestagentyp definiert. Diese Einteilung gilt ausschließlich für Kombinationspräparate. Jede Generation entspricht einem bestimmten Molekültyp:
- 1. Generation: Norethisteron, Lynestrenol
- 2. Generation: Levonorgestrel
- 3. Generation: Desogestrel, Gestoden, Norgestimat
- 4. Generation: Chlormadinon, Nomegestrol, Dienogest, Drospirenon
Das Problem mit der 3. und 4. Generation: Diese Pillen enthalten Gestagene, die das Risiko von Gefäßerkrankungen erhöhen – das Risiko ist etwa doppelt so hoch wie bei Pillen der 2. Generation. Deshalb empfiehlt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, vorrangig Pillen der 2. Generation zu verschreiben.
Warum reguliert die Pille das PCOS nicht?
Das PCOS ist eine komplexe Erkrankung mit vielfältigen Symptomen. Die Pille kann zwar einzelne Symptome lindern – vor allem Akne und übermäßige Körperbehaarung (Hirsutismus) – aber sie behandelt weder die Ursachen des PCOS, noch reguliert sie es wirklich.
Die Pille erzeugt lediglich die Illusion eines normalen Zyklus: Du bekommst jeden Monat eine Blutung dank der Einnahmepause – nicht, weil dein Körper ovuliert. Sie überdeckt die Symptome, ohne die eigentlichen Ursachen anzugehen. Das kann zu großer Frustration führen, wenn die Symptome nach dem Absetzen wieder auftreten.
Es gibt noch einen weiteren Widerspruch: Beim PCOS hat der Körper bereits Schwierigkeiten zu ovulieren – und trotzdem wird ein Hormonpräparat empfohlen, das den Eisprung aktiv verhindert. Das klingt kontraintuitiv – weil es das auch ist.
Die Pille kann sogar bestimmte Symptome verstärken, da viele ihrer Nebenwirkungen den PCOS-Symptomen ähneln: Akne, Gewichtszunahme, erhöhter Cholesterinspiegel, Wassereinlagerungen, Verdauungsprobleme, Reizbarkeit, Müdigkeit, Haarausfall und mehr.
Die Naturopathin Lara Briden unterscheidet zum Beispiel vier PCOS-Typen: insulinresistent, inflammatorisch, post-Pille und adrenal. Das verdeutlicht, wie komplex das PCOS ist – und warum die Pille allein keine ausreichende Antwort darstellt.
Wenn du die Pille nehmen möchtest, empfehlen wir, sie beizubehalten und gleichzeitig an deinem Lebensstil zu arbeiten. Ernährung, Schlaf, Stressmanagement und Bewegung können deine Symptome deutlich verbessern und den Übergang nach dem Absetzen der Pille erleichtern.
Welche Auswirkungen hat die Pille auf das PCOS?
Die Pille blockiert den Eisprung, indem sie die Verbindung zwischen Eierstöcken und Gehirn unterbricht. Langfristig kann das die Rückkehr des Eisprungs und des natürlichen Zyklus nach dem Absetzen verzögern.
Das eigentliche Problem ist jedoch ein anderes: Der Mangel an Progesteron. Dieses Hormon wird nach dem Eisprung gebildet und ist entscheidend für das hormonelle Gleichgewicht. Beim PCOS fehlt Progesteron oft ohnehin schon – durch unregelmäßige oder ausbleibende Ovulationen. Die Pille verstärkt dieses Defizit und kann Symptome wie Angst, Depressionen, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und Akne verschlimmern. Langfristig kann der Progesteronmangel einen Entzündungszustand fördern, der das PCOS weiter verstärkt.
Außerdem belasten die synthetischen Östrogene in Kombinationspillen die Leber stark. Sie können den Cholesterinspiegel und die Triglyzeride erhöhen, die Glukosetoleranz senken und die Insulinresistenz verstärken – alles Faktoren, die beim PCOS besonders ungünstig sind.
Diese Mehrbelastung der Leber führt zudem nach etwa 6 Monaten Einnahme zu Mikronährstoffmängeln – unter anderem bei Zink, Magnesium, Selen, Jod sowie den Vitaminen B6, B9 und B12. Diese Nährstoffe sind jedoch unverzichtbar für einen gesunden Zyklus und den Eisprung.
Aktuelle Studien zeigen außerdem, dass die Pille bei etwa 20 % der Frauen Depressionen und Angstzustände verstärkt – ein besonderes Problem, da Frauen mit PCOS ohnehin anfälliger für psychische Belastungen sind. Die Pille kann auch das Darmmikrobiom verändern, das für die mentale und verdauungsbezogene Gesundheit eine wichtige Rolle spielt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Pille kann den Stabilisierungsprozess beim PCOS verzögern. Wäge daher Vor- und Nachteile sorgfältig ab – am besten gemeinsam mit einer Fachkraft.

Vor- und Nachteile der Pille je nach PCOS-Phänotyp
Es gibt vier PCOS-Phänotypen, die den Schweregrad beschreiben – von Phänotyp A (am schwersten) bis Phänotyp D (am leichtesten):
| Merkmal | Phänotyp A | Phänotyp B | Phänotyp C | Phänotyp D |
|---|---|---|---|---|
| Hyperandrogenismus | ✓ | ✓ | ✓ | – |
| Polyzystische Ovarien | ✓ | – | ✓ | ✓ |
| Ovulationsstörungen | ✓ | ✓ | – | ✓ |
Frauen mit Phänotyp A und B haben ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gewichtszunahme. Frauen mit Phänotyp C und D sind in der Regel weniger von diesen Stoffwechselproblemen betroffen.
Für Frauen mit vollständiger Amenorrhö (ausbleibende Menstruation) und Progesteron-Mangel (Phänotyp A und B) kann die Pille sinnvoll sein, um das Risiko von Gebärmutter- und Brustkrebs zu senken. Wird über Monate oder Jahre nicht ovuliert, erhöht das Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron das Risiko hormonabhängiger Krebserkrankungen.
Für Frauen mit Phänotyp C und D ist das Absetzen der hormonellen Verhütung in der Regel leichter und oft vorteilhafter – entweder weil sie ovulieren (Phänotyp C) oder weil ihr PCOS nicht mit Hyperandrogenismus verbunden ist (Phänotyp D).
Welche Pille eignet sich bei PCOS?
Da PCOS durch einen Überschuss an Androgenen (männliche Hormone) gekennzeichnet ist, der Akne, Hirsutismus und androgenetischen Haarausfall verursacht, sind besonders geeignet:
- Pillen mit geringer androgener Wirkung
- Pillen ohne androgene Wirkung
- Pillen mit anti-androgener Wirkung
Diese Pillen gehören ausschließlich zur 3. und 4. Generation und sind daher mit einem höheren kardiovaskulären Risiko verbunden – ein schwieriger Abwägungsprozess.
Wichtiger Hinweis: Wir empfehlen, Pillen mit Cyproteronacetat (z. B. Diane 35 und ähnliche Generika sowie Andocur) mit Vorsicht zu verwenden. Bei hoher Dosierung (≥ 25 mg/Tag) erhöht Cyproteronacetat das Meningeomrisiko – bei einer Behandlungsdauer über 5 Jahre sogar um das 20-fache. Diane 35 enthält zwar nur 2 mg, aber es empfiehlt sich dennoch, diese Pille nur kurzzeitig und als letzte Option einzusetzen.
Empfehlung: Drospirenon-haltige Pillen
Wir empfehlen, eine Pille auf Drospirenon-Basis in Betracht zu ziehen. Dieses Gestagen hat eine anti-androgene Wirkung und kann Akne, Hirsutismus und androgenetischen Haarausfall lindern. Außerdem wirkt es leicht diuretisch, was Wassereinlagerungen und die damit verbundene Gewichtszunahme reduziert.
Pillen mit Drospirenon (nicht vollständig): Jasmin, Jasminelle, Yaz, Belanette, Slinda (Slinda ist ein reines Gestagen-Präparat)
Weitere Optionen
| Gestagen | Beispielpräparate | Wirkung |
|---|---|---|
| Dienogest | Qlaira, Dienogest-haltige Präparate | Anti-androgen |
| Norgestimat | Triafemi, Femi | Senkung des Testosteronspiegels |
| Chlormadinon | Belara | Keine androgene Wirkung |
Leider werden die meisten dieser Pillen (3. und 4. Generation) in Deutschland nicht vollständig erstattet.
Wie wähle ich die richtige Pille aus?
Bei der Wahl der Pille spielen nicht nur sichtbare Symptome wie Akne oder Hirsutismus eine Rolle – auch deine Krankengeschichte und dein Lebensstil sind entscheidend. Deine Gynäkologin oder dein Gynäkologe sollte folgende absolute Kontraindikationen ausschließen:
- Arterielle oder venöse Thrombosen in der Vorgeschichte
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Thromboseneigung
- Migräne mit Aura
- Starkes Rauchen (mehr als 10 Zigaretten täglich)
- Gestörte Blutfettwerte (Cholesterin, HDL, LDL, Triglyzeride)
- Brust- oder Gebärmutterkrebs in der Vorgeschichte
Darüber hinaus gibt es relative Kontraindikationen, bei denen Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden sollten:
- Leichtes Rauchen (weniger als 10 Zigaretten täglich)
- Diabetes
- Adipositas
- Gutartige Brusterkrankungen (Zeichen eines Östrogenüberschusses)
Wenn du rauchst und PCOS hast, könnte zum Beispiel ein reines Gestagen-Präparat wie Slinda sinnvoller sein als eine Kombinationspille, um kardiovaskuläre Risiken zu minimieren.
Wenn keine Kontraindikationen bestehen, zögere nicht, verschiedene Pillen auszuprobieren – immer in Absprache mit einer Fachkraft. Ein jährliches Blutfett-Check-up kann helfen sicherzustellen, dass dein Körper die Pille gut verträgt.
PCOS, Pille und mentale Gesundheit
Das Absetzen der Pille kann dein System erheblich durcheinanderbringen und deine Symptome für mehrere Monate unkontrollierbar machen. Das Erlernen des Umgangs mit den Symptomen erfordert Zeit und Energie – und kann als zusätzliche mentale Belastung erlebt werden. Hinzu kommen mögliche finanzielle Kosten für Alternativbehandlungen, die nicht für alle zugänglich sind.
Bevor du die Pille absetzt, frag dich ehrlich:
- Befindest du dich gerade in einer schwierigen Lebensphase?
- Ist dein Umfeld gerade stabil und unterstützend?
- Fühlst du dich bereit, neue Herausforderungen anzugehen?
- Hast du die Kraft, deine Gewohnheiten zu verändern?
Wenn nicht , kein Druck. Es ist völlig in Ordnung, die Pille beizubehalten, bis du dich stärker fühlst. Sprich auch mit einer Fachperson deines Vertrauens: Gynäkologin, Hebamme, Endokrinologin, Psychiaterin oder Psychologin. Auch deine Hausärztin oder dein Hausarzt kennt dich oft gut und kann die Empfehlung an deinen Alltag anpassen.
Ein Kompromiss ist ebenfalls möglich: Pille + Nahrungsergänzungsmittel + Lebensstilanpassungen können zusammen deine Symptome deutlich verbessern.
Wir hoffen, dass dir dieser Artikel hilft, klarer zu sehen und die besten Entscheidungen für deine körperliche und mentale Gesundheit zu treffen. Vergiss nicht: Die beste Verhütungsmethode ist die, die du wählst – informiert und selbstbestimmt. 💜💫
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