Fruchtbarkeit
PCOS

Kinderwunsh bei PCOS

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Inhaltsverzeichnis

  1. 01. Was ist PCOS und wie beeinflusst es den Zyklus?
  2. 02. Diese Faktoren können bei PCOS eine Schwangerschaft erschweren
  3. 03. So kannst du deinen Kinderwunsch aktiv unterstützen

Ja, mit PCOS schwanger zu werden ist absolut möglich. PCOS ist keine Unfruchtbarkeit, sondern eine Hormonstörung, die den Eisprung verzögern kann. Die meisten Frauen mit PCOS werden Mutter, manchmal dauert es einfach etwas länger. Mit gezielten Maßnahmen wie Insulinresistenz senken, Eizellenqualität verbessern, Entzündungen reduzieren und Progesteron sowie Schilddrüse im Blick behalten, lassen sich deine Chancen deutlich steigern.

Wenn du PCOS hast, hast du vielleicht lange auf eine Schwangerschaft gewartet oder du versuchst es seit Monaten und fragst dich, ob deine Diagnose deine Chancen wirklich mindert. Diese Frage ist eine der häufigsten, die mich erreicht, und sie verdient eine ehrliche, wissenschaftlich fundierte Antwort.

In diesem Artikel erkläre ich dir, warum PCOS deinen Zyklus beeinflussen kann und was du aktiv tun kannst, um deinen Kinderwunsch zu unterstützen. Denn ja, es gibt einiges, das in deiner Hand liegt. 💜

Was ist PCOS und wie beeinflusst es den Zyklus?

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Schätzungen zufolge ist weltweit etwa eine von zehn Frauen betroffen. (1)

PCOS bedeutet nicht, dass deine Eierstöcke „kaputt" sind. Es handelt sich um ein Ungleichgewicht in deinem Hormonhaushalt, das dazu führt, dass die Eizellreifung langsamer und unregelmäßiger verläuft als bei anderen Frauen. Das kann zu langen, unvorhersehbaren Zyklen führen, und manchmal bleibt der Eisprung auch ganz aus.

Weniger Eisprünge, nicht null

Bei einem durchschnittlichen 28-Tage-Zyklus hast du etwa 12 bis 13 Chancen pro Jahr, schwanger zu werden. Bei PCOS, wo sich der Zyklus auf 60, 90 oder sogar mehr Tage ausdehnen kann, sind es vielleicht nur noch 3 oder 4 Eisprünge im Jahr. Weniger Möglichkeiten, aber nicht keine.

Dazu kommt, dass Frauen mit PCOS häufig erhöhte Androgenspiegel (männliche Hormone) haben. Diese können die Eizellreifung stören und die Qualität der Eizellen beeinträchtigen. (2)

➡️ Die große Mehrheit der Frauen mit PCOS wird Mutter, manchmal braucht es einfach etwas mehr Zeit und gezielte Unterstützung.

Diese Faktoren können bei PCOS eine Schwangerschaft erschweren

Insulinresistenz

Bei 70 bis 80 % der Frauen mit PCOS liegt eine Insulinresistenz vor (3), auch bei schlanken Frauen. Das bedeutet: Der Körper produziert mehr Insulin als nötig, was das Hormonsystem durcheinanderbringt und regelmäßige Eisprünge erschwert.

➡️ Wenn du insulinresistent bist, ist das sehr wahrscheinlich der erste und wirksamste Hebel, den du angehen kannst.

Eizellenqualität

Eine Eizelle braucht etwa 3 Monate, um vollständig heranzureifen. Bei Frauen mit PCOS ist dieser Prozess oft gestört: Die Follikelphase dauert länger, und die Eizelle ist höheren Androgenspiegeln ausgesetzt als bei anderen Frauen, was ihre Qualität beeinträchtigen kann. (2)

Weitere Faktoren

Andere Punkte, die bei PCOS eine Rolle spielen können:

  • Progesteronmangel, der bei Frauen mit PCOS häufig vorkommt und die Einnistung des Embryos erschwert
  • Stille chronische Entzündungen, die die Eizellenqualität und die Gebärmutterschleimhaut beeinflussen können
  • Schilddrüsenprobleme, die bei Frauen mit PCOS häufiger auftreten
  • Vitamin-D-Mangel, der bei Frauen mit PCOS besonders verbreitet ist und die Schwangerschaftschancen negativ beeinflussen kann (4)

Wenn du bereits eine Fehlgeburt erlebt hast, trägst du keine Schuld daran. ❤️🩹 Einer der häufigsten Gründe für Fehlgeburten sind chromosomale Auffälligkeiten des Embryos, das liegt in niemandes Händen.

Und noch etwas: 30 % der Fälle von Unfruchtbarkeit haben männliche Ursachen. Bevor du deinen Körper intensiv optimierst, lohnt es sich sehr, dass dein Partner zunächst ein Spermogramm durchführen lässt. Ein einfacher Test, der viel Klarheit bringen und unnötige Umwege ersparen kann.

So kannst du deinen Kinderwunsch aktiv unterstützen

Insulinresistenz senken

Wenn du insulinresistent bist, ist das der erste und wirksamste Schritt. Konkret kann es helfen:

  • Eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index zu wählen (viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, gute Proteine und Fette)
  • Blutzuckerspitzen über den Tag zu reduzieren, vor allem nach süßen Mahlzeiten
  • Regelmäßige Bewegung einzubauen, auch kurze Spaziergänge nach dem Essen können einen Unterschied machen
  • Gezielte Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen, die den Blutzucker stabilisieren

Die Eizellenqualität verbessern

Eine Eizelle reift 3 Monate heran. Was du heute tust, beeinflusst direkt, wie gut deine Eizellen in drei Monaten sein werden. Jeder kleine Schritt zählt, und du kannst die Veränderungen ganz in deinem eigenen Tempo angehen.

Die Grundlage ist deine Ernährung: Omega-3-reiche Lebensmittel priorisieren, verarbeitete und zuckerreiche Produkte möglichst meiden, komplexe Kohlenhydrate und viel Gemüse wählen. Das Mittelmeer-Prinzip ist hier ein guter Anhaltspunkt.

Einige Nahrungsergänzungsmittel haben einen wissenschaftlich belegten positiven Einfluss auf die Eizellenqualität bei PCOS:

  • Myo-Inositol wirkt sowohl auf die Insulinresistenz als auch direkt auf die Eizellenreifung. Studien zeigen, dass es die Eizellenqualität und die Befruchtungsrate bei Frauen mit PCOS verbessern kann. (5)
  • Vitamin B9 (Folat) ist vor jeder Schwangerschaft empfohlen, um das Risiko von Fehlbildungen und Fehlgeburten zu senken. Viele Frauen vertragen die herkömmliche synthetische Folsäure nicht optimal. Eine methylierte Form wie Quatrefolic® wird daher von vielen Fachleuten bevorzugt. (6)
  • Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für die Fruchtbarkeit. Frauen mit PCOS haben besonders häufig einen Mangel, der die Schwangerschaftschancen beeinflussen kann. (4) Es kann sich lohnen, diesen Wert bei einem regulären Bluttest mitprüfen zu lassen.

Vergiss außerdem nicht: 7 bis 8 Stunden guter Schlaf, Stressmanagement und tägliche Bewegung. Alles, was dein Nervensystem beruhigt, kommt auch deinen Hormonen zugute.

Entzündungen reduzieren

PCOS ist häufig mit einer stillen, chronischen Entzündung verbunden, die sich auf die Eizellenqualität und die Gebärmutterschleimhaut auswirken kann. (7) Heimtückisch dabei: Sie verursacht oft keine spürbaren Symptome.

Um Entzündungen zu reduzieren, kann es helfen:

  • Ultraprozessierte Lebensmittel, Alkohol und raffinierten Zucker möglichst zu meiden
  • Die Darmgesundheit zu pflegen, denn das Mikrobiom spielt eine wichtige Schutzrolle
  • Omega-3-Fettsäuren zu ergänzen, deren entzündungshemmende Wirkung gut dokumentiert ist (8)

Den Progesteronspiegel im Blick behalten

Progesteronmangel ist bei Frauen mit PCOS sehr häufig und eine der vermeidbaren Ursachen von Fehlgeburten im ersten Trimester. (9)

Progesteron hält die Gebärmutterschleimhaut aufrecht, damit sich der Embryo einnisten kann. Wenn es zu niedrig ist, kann die Lutealphase zu kurz ausfallen, was sich manchmal in Schmierblutungen (Spotting) vor der Periode bemerkbar macht.

So kannst du vorgehen:

  • Bitte deine Gynäkologin oder deinen Arzt um einen Progesterontest 7 Tage nach dem Eisprung. Dein Wert sollte bei etwa 15 ng/ml liegen.
  • Wenn du schwanger bist, kann gleichzeitig mit dem Beta-hCG-Test auch der Progesteronspiegel gemessen werden. Im ersten Trimester sollte er mindestens 15 bis 20 ng/ml betragen. Liegt er darunter, gibt es wirksame Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel Progesteronzäpfchen.

Diese Tests werden von der Krankenkasse übernommen, wenn sie ärztlich verordnet werden. Alternativ kannst du sie als IGeL-Leistung (Selbstzahler) beauftragen, entweder über deine Gynäkologin oder über spezialisierte Direktlabore.

Die Schilddrüse nicht vergessen

Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko, eine Schilddrüsenunterfunktion zu entwickeln, insbesondere die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Hypothyreose ist eine bekannte Ursache für Fehlgeburten und Schwangerschaftskomplikationen. (10)

Wenn du dir eine Schwangerschaft wünschst, lohnt es sich, ein vollständiges Schilddrüsenprofil anzufragen:

  • TSH (sollte bei Kinderwunsch unter 2,5 mUI/l liegen)
  • T3 und T4
  • Schilddrüsenantikörper (TPO-AK, Tg-AK)

Einige dieser Werte können auf Kassenrezept angefordert werden, wenn du Symptome beschreibst. Bei auffälligen Ergebnissen lohnt sich das Gespräch mit deiner Gynäkologin.

Wenn Lebensstilmaßnahmen allein nicht ausreichen

Manchmal braucht der Eisprung eine gezieltere medizinische Unterstützung. Das bedeutet nicht, dass du gescheitert bist, sondern dass dein Körper einen anderen Weg braucht.

In diesem Fall stehen zwei Medikamente zur Verfügung, die bei PCOS und Kinderwunsch eingesetzt werden:

  • Létrozole (Femara) gilt laut internationalen Leitlinien heute als das bevorzugte Mittel zur Ovulationsinduktion bei PCOS. In Deutschland ist es für diese Indikation offiziell nicht zugelassen (Off-label-Use) und wird von der Krankenkasse in der Regel nicht erstattet. Deine Gynäkologin kann es dir dennoch verschreiben und muss dich vorher über diesen Status informieren.
  • Clomifen ist offiziell für die Ovulationsinduktion zugelassen und kann in bestimmten Fällen von der Kasse übernommen werden.

Beide Optionen werden ausschließlich unter ärztlicher Begleitung eingesetzt. Du bist auf diesem Weg nicht allein.

Ich hoffe, dieser Artikel zeigt dir, dass Kinderwunsch mit PCOS kein hoffnungsloses Unterfangen ist, sondern eines, bei dem du sehr viel aktiv in die Hand nehmen kannst. Lass die richtigen Werte bestimmen, informiere dich und umgib dich mit Fachleuten, denen du vertraust. 💜

Fehlgeburten sind eine der schwersten Erfahrungen, die eine Frau machen kann, und du trägst keine Schuld daran. ❤️🩹 Mit den richtigen Maßnahmen kannst du viel dazu beitragen, deinen Körper in die bestmögliche Ausgangslage zu bringen.

 

Wissenschaftliche Referenzen

  1. Ding T et al. The prevalence of polycystic ovary syndrome in reproductive-aged women of different ethnicity: a systematic review and meta-analysis. Oncotarget. 2017;8(56):96351–96358. PMC5707105.
  2. Franks S, Hardy K. Polycystic ovarian syndrome: Correlation between hyperandrogenism, insulin resistance and obesity. PubMed. 2020. PMID: 31733195.
  3. Stepto NK et al. Women with polycystic ovary syndrome have intrinsic insulin resistance on euglycaemic-hyperinsulaemic clamp. J Clin Endocrinol Metab. 2013. PMID: 23771920.
  4. Irani M, Merhi Z. Vitamin D Deficiency Is Associated With Poor Ovarian Stimulation Outcome in PCOS but Not Unexplained Infertility. J Clin Endocrinol Metab. 2019. PMID: 30085176.
  5. Lesoine B, Regidor PA. Prospective Randomized Study on the Influence of Myoinositol in PCOS Women Undergoing IVF in the Improvement of Oocyte Quality, Fertilization Rate, and Embryo Quality. Int J Reprod Med. 2016. DOI:10.1155/2016/4378507. PMC5011206.
  6. Pietrzik K, Bailey L, Shane B. Folic acid and L-5-methyltetrahydrofolate: comparison of clinical pharmacokinetics and pharmacodynamics. Clin Pharmacokinet. 2010;49(8):535–548. PMID: 20608755.
  7. Spritzer PM et al. Low-grade chronic inflammation in polycystic ovary syndrome and its impact on follicular fluid. PMC5655213.
  8. Yuan J et al. Efficacy of omega-3 polyunsaturated fatty acids on hormones, oxidative stress, and inflammatory parameters among polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis. Ann Palliat Med. 2021. DOI:10.21037/apm-21-1635.
  9. Marren AJ et al. Exploring Progesterone Deficiency in First-Trimester Miscarriage and the Impact of Hormone Therapy on Foetal Development: A Scoping Review. PMC11049201.
  10. Thangaratinam S et al. Association between thyroid autoantibodies and miscarriage and preterm birth: meta-analysis of evidence. BMJ. 2011;342:d2616. PMC3070751.
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FAQ

Kann man mit PCOS schwanger werden?

Ja, absolut. Die meisten Frauen mit PCOS werden Mutter, manchmal dauert es etwas länger. Da PCOS die Häufigkeit des Eisprungs verringern kann, braucht es oft mehr Zeit, den richtigen Moment zu treffen. Mit gezielten Maßnahmen, insbesondere der Senkung der Insulinresistenz und der Verbesserung der Eizellenqualität, lassen sich die Chancen deutlich verbessern.

Warum ist der Eisprung bei PCOS unregelmäßig?

Bei PCOS bringt ein erhöhter Insulinspiegel das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht, was die Reifung der Eizellen verlangsamt oder verhindert. Hinzu kommen erhöhte Androgenspiegel, die den Prozess weiter stören. Das Ergebnis: Der Eisprung verzögert sich oder bleibt in manchen Zyklen ganz aus.

Wie lange dauert es mit PCOS, schwanger zu werden?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, da PCOS sich sehr unterschiedlich äußert. Manche Frauen werden innerhalb weniger Monate schwanger, andere brauchen länger oder ziehen medizinische Unterstützung hinzu. Wichtig ist, frühzeitig relevante Blutwerte prüfen zu lassen, zum Beispiel Progesteron, Vitamin D, Schilddrüse und Nüchterninsulin.

Erhöht PCOS das Risiko einer Fehlgeburt?

PCOS kann das Fehlgeburtsrisiko erhöhen, vor allem durch Progesteronmangel, Insulinresistenz und chronische Entzündungen. Diese Faktoren lassen sich jedoch aktiv angehen. Es gibt außerdem immer eine chromosomale Komponente, die sich nicht kontrollieren lässt. Eine Fehlgeburt ist niemals deine Schuld.